Bienen-Initiative: Zentrale Fachfragen bleiben offen – FreeTheBees

Bienen-Initiative: Zentrale Fachfragen bleiben offen

Stand: 15. September 2026

Am 20. Mai 2026 wurde die eidgenössische Volksinitiative «Für die Sicherung der Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen durch Insekten» lanciert.

FreeTheBees begrüsst das Ziel, die Bestäubung langfristig zu sichern und die Lebensbedingungen von Bienen und anderen Bestäuberinsekten zu verbessern.

Gleichzeitig bestehen bereits heute zahlreiche Programme und Instrumente zum Schutz von Biodiversität, Lebensräumen und Bestäubern. Trotzdem bleiben die Fortschritte ungenügend.

Für uns ist deshalb entscheidend, welchen konkreten zusätzlichen Nutzen die Initiative schafft und wie sich später überprüfen lässt, ob tatsächlich eine ökologische Verbesserung erreicht wurde.

FreeTheBees beurteilt politische Vorlagen nicht aufgrund ihres Namens oder ihrer Absicht, sondern anhand ihrer erwartbaren Wirkung.

Unsere Fragen an das Initiativkomitee

Am 20. Mai 2026 haben wir dem Initiativkomitee eine Reihe konkreter Fachfragen gestellt. Die Steuergruppe der Bienen-Initiative hat uns am 30. Juni 2026 geantwortet.

Einzelne Punkte wurden dadurch geklärt. Mehrere für die spätere Wirkung entscheidende Fragen blieben aus unserer Sicht jedoch offen oder wurden nur allgemein beantwortet.

Fachfrage Antwort bzw. bisheriger Stand Beurteilung FreeTheBees
Sind wildlebende Honigbienen von der Initiative eingeschlossen? Die Steuergruppe hat ausdrücklich bestätigt, dass auch wildlebende Honigbienen eingeschlossen sind. Beantwortet
Welchen konkreten Mehrwert schafft die Initiative gegenüber bestehenden Programmen und Instrumenten? Die Steuergruppe verweist insbesondere auf den politischen Druck, den die Initiative erzeugen soll, sowie auf bestehende Berichte zum Insektenrückgang und möglichen Massnahmen. Teilweise beantwortet
Welche konkrete Wirkung soll erreicht werden und wie wird der im Initiativtext genannte «günstige Zustand» definiert? Konkrete biologische Zielgrössen oder messbare Kriterien wurden bisher nicht genannt. Offen
Wie soll das Monitoring ausgestaltet werden? Eine konkrete Ausgestaltung des Monitorings, insbesondere für wildlebende Bestäuber und wildlebende Honigbienenvölker, wurde bisher nicht erläutert. Offen
Wie wird mit möglichen Konkurrenzsituationen und Krankheitsübertragungen zwischen gehaltenen Honigbienen und wildlebenden Bestäubern umgegangen? Dazu liegt bisher keine konkrete Antwort vor. Offen
Welche Position vertritt die Initiative gegenüber Pestiziden und anderen relevanten Belastungsfaktoren? Unsere konkreten Fragen zur Pestizidpolitik und zu Zulassungsverfahren wurden bisher nicht beantwortet. Offen
Wie sollen zusätzliche finanzielle Mittel eingesetzt und priorisiert werden? Es wurden bisher keine konkreten Kriterien zur Mittelverteilung zwischen Imkerei, Lebensraumförderung, Wildbestäuberschutz, Forschung und Monitoring genannt. Offen
Welche konkreten Massnahmen sollen später in Gesetzgebung und Vollzug verankert werden? Die Steuergruppe verweist darauf, dass die konkrete Ausgestaltung nach einer allfälligen Annahme durch Parlament und Bundesrat erfolgen wird. Offen bzw. auf die spätere Umsetzung verschoben

Warum diese Fragen für uns zentral sind

Diese Punkte sind aus unserer Sicht keine Detailfragen.

Die Initiative formuliert einen übergeordneten Verfassungsauftrag. Welche tatsächliche Wirkung daraus entsteht, hängt wesentlich davon ab, wie dieser Auftrag später in Gesetzgebung, Verordnungen, Förderinstrumenten und Vollzug konkretisiert wird.

Dabei können sehr unterschiedliche Massnahmen unter dem Begriff «Bestäuberförderung» verstanden werden.

Für FreeTheBees ist deshalb insbesondere wichtig,

  • fachlich zwischen der Honigbiene als Wildtier und der Nutzung und Bewirtschaftung der Art zu unterscheiden;
  • Wildbienen und andere wildlebende Bestäuber eigenständige Schutzziele bleiben;
  • Bestäuberförderung nicht mit einer blossen Erhöhung der Zahl gehaltener Honigbienenvölker gleichgesetzt wird;
  • Lebensraumqualität, Nahrungsangebot, Nistressourcen und Vernetzung berücksichtigt werden;
  • mögliche Konkurrenz und Krankheitsübertragungen wissenschaftlich berücksichtigt werden;
  • biologische Ziele und messbare Erfolgskriterien definiert werden;
  • Fördermittel an überprüfbare ökologische Wirkung gekoppelt werden.

Unsere Position

FreeTheBees unterstützt das Ziel einer wirksamen Sicherung der Bestäubung.

Eine aktive Unterstützung der vorliegenden Initiative können wir derzeit jedoch nicht fachlich begründen, solange zentrale Fragen zu Wirkung, Zieldefinition, Prioritäten und Umsetzung offenbleiben.

Gleichzeitig sehen wir aufgrund der bisher vorliegenden Grundlagen keinen Anlass, das Anliegen der Initiative grundsätzlich abzulehnen.

Unsere Position ist deshalb bewusst unabhängig:

Wir unterstützen das Ziel. Wir prüfen das Instrument. Und wir verlangen nachvollziehbare Wirkung.

Wir bleiben offen für einen fachlichen Austausch mit dem Initiativkomitee, Forschung, Behörden und anderen beteiligten Organisationen.

Wenn neue belastbare Antworten oder Grundlagen vorliegen, werden wir unsere Beurteilung entsprechend aktualisieren.

Unser Massstab

Für FreeTheBees ist nicht entscheidend, wie überzeugend eine politische Vorlage formuliert oder kommuniziert wird.

Entscheidend ist:

Verbessert sie nachweisbar die Lebensbedingungen wildlebender Bienen und anderer Bestäuber sowie die Qualität ihrer Lebensräume?

Daran werden wir die Bienen-Initiative und eine allfällige spätere Umsetzung messen.

Wir halten diese Seite auf dem aktuellen Stand. Sobald neue Antworten oder Grundlagen vorliegen, aktualisieren wir unsere Beurteilung hier. Wer informiert bleiben möchte, abonniert unseren Newsletter oder schickt uns Fragen und Hinweise direkt zu.

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