Koexistenz – FreeTheBees

Koexistenz von Wildbienen und Honigbienen

Wildbienen und Honigbienen gehören beide zur heimischen Bienenwelt. Die Honigbiene ist auch eine Wildbiene. Die Frage ist deshalb nicht, ob sie grundsätzlich nebeneinander existieren können. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Unter welchen Bedingungen ist Koexistenz möglich?

Wo Honigbienenvölker in natürlicher Dichte vorkommen, ist Koexistenz Teil eines funktionierenden Ökosystems. Problematisch wird es dort, wo der Mensch durch intensive Imkerei lokal massiv hohe Honigbienendichten erzeugt. Dann geraten Nahrung, Raum und Krankheitsdynamik aus dem Gleichgewicht.

Das eigentliche Problem: die Bienendichte

Für die Schweiz zeigen Daten, dass die mittlere Völkerdichte je nach Kanton und Jahr bereits sehr hoch ist. Noch entscheidender als diese Durchschnittswerte sind jedoch die lokalen Dichten am konkreten Standort. Genau dort entstehen die grössten Belastungen.

 

Bienen in einer Baumhöhle

Intakte Natur: 1 – 5 Völker / km2

Zeidler

Aktuell wildlebend: 0.1 Volk / km2

Bienennhaltung

Imkerei Romandie: 10 – 20 Völker / 20 km2

Bienenhaltung

Imkerei Deutschschweiz: 10 – 20 Völker / 3 km2

Offizielle Bienendichte-Zahlen korrekt einordnen

Bienendichtezahlen werden meist auf die gesamte Fläche der Schweiz gerechnet. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild: Rund 4 % der Landesfläche bestehen aus Gewässern, weitere rund 38 % liegen oberhalb von 1600 m ü. M. und sind für Honigbienen kaum dauerhaft bewohnbar. Tatsächlich nutzbar bleiben damit lediglich etwa 58 % der Landesfläche.

Die reale Bienendichte liegt folglich deutlich höher, als es die Durchschnittswerte vermuten lassen. Gleichzeitig verteilen sich Bienenvölker nicht gleichmässig, sondern konzentrieren sich lokal stark – insbesondere in Städten, Agglomerationen und intensiv genutzten Landwirtschaftsgebieten.

FreeTheBees kritisiert deshalb nicht die Rohdaten selbst, sondern deren vereinfachte Interpretation. Die Kennzahl «Bienenvölker pro km²» sagt wenig über die tatsächliche ökologische Belastung eines Lebensraumes aus, solange Faktoren wie Blütenangebot, Trachtlücken oder Konkurrenzdruck auf Wildbestäuber unberücksichtigt bleiben.

MEHR ZUM THEMA IN UNSEREM BULLETIN

Warum hohe Honigbienendichten für Wildbienen problematisch sind

Biodiversität

Nahrungs-konkurrenz

Wildbienen und Honigbienen nutzen vielerorts dieselben Blütenressourcen. Je mehr Honigbienen an einem Standort konzentriert werden, desto stärker steigt der Druck auf Nektar und Pollen. Das betrifft besonders Landschaften, die ohnehin blütenarm sind, in denen Trachtlücken bestehen, oder in denen seltene Wildbienen auf bestimmte Pflanzen angewiesen sind.

Varroa

Krankheits-übertragung

Wo viele Honigbienenvölker dicht beieinanderstehen, steigen Verflug, Räuberei und Kontakt zwischen den Völkern. Damit wachsen auch die Übertragungswege für Parasiten und Krankheitserreger. Hinzu kommt ein zweites Problem: Krankheiten bleiben nicht zwingend innerhalb der Honigbiene. Über erste Übertritte von Krankheiten und Parasiten der Honigbiene auf Wildbienen wurde berichtet.

Biene auf Blume

Einschränkung der Biodiversität

Die Konkurrenzsituation stört das ökologische Gleichgewicht und schränkt potentiell die Artenvielfalt ein. Mehr Honigbienen bedeuten nicht automatisch mehr Naturschutz. Und gerade in der Stadt sind zusätzliche Bienenvölker von gutgläubigen Stadtimkerinnen und Imkern nicht zielführend, sondern einschränkend.

Koexistenz braucht Anreizsysteme & Leitplanken

Honigbienendichten senken: Nicht jeder Standort verträgt beliebig viele Völker. Vor jeder Neuansiedlung sollte gefragt werden, ob Blütenangebot, bestehende Bestäuberfauna und lokale Tragfähigkeit dies überhaupt zulassen.

Wildbienen zuerst mitdenken: In ökologisch sensiblen Gebieten sollte der Schutz spezialisierter Wildbienenarten Vorrang haben.

Lebensräume aufwerten: Mehr Blütenvielfalt über die ganze Saison und mehr Niststrukturen helfen beiden Gruppen – Wildbienen und wildlebenden Honigbienen.

Naturnahe statt maximal verdichtete Imkerei: Die Bestäubungsleistung ist wichtiger ist als die Honigmaximierung und sie ist naturnäher erbringbar, als die Praktiken der konventionellen Honigimkerei.

Unsere Position bei FreeTheBees

Wir anerkennen sowohl die Bedeutung der Wildbienen als auch jene der Honigbiene als heimisches Wildtier. Koexistenz gelingt jedoch nur dann, wenn wir die ökologischen Grenzen respektieren. Darum setzen wir uns ein für:

  • eine ehrliche Debatte über lokale Honigbienendichten
  • mehr Transparenz über Konkurrenz- und Krankheitsrisiken
  • eine naturnähere, verantwortungsvollere Imkerei
  • und bessere Lebensräume für alle Bienen

FreeTheBees steht nicht für weitere Verbote und Reglemente. Sondern für Transparenzbildung, Aufbau von Wissen und Bewusstsein und geschickt gesetzte Anreizsysteme. Denn echter Bienenschutz bedeutet nicht, möglichst viele Honigvölker auf kleinem Raum aufzustellen, sondern Lebensräume so zu gestalten, dass Wildbienen und Honigbienen langfristig nebeneinander bestehen können.

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