In unserer Konferenzreihe «Bienen ohne Grenzen» hat der renommierte Bienenwissenschaftler und Züchter Dr. Ralph Büchler am 28. Oktober 2026 gezeigt, wie Bienenvölker Resistenzen gegen die Varroa entwickeln. Büchler leitete 25 Jahre lang das Bieneninstitut Kirchhain und forscht seit Jahrzehnten zur Selektion auf Varroaresistenz. Seine These: Die Imkerei kann ohne Medikamente auskommen, wenn sie die natürliche Auslese wieder zulässt. Er selbst behandelt seine Völker seit zehn Jahren nicht mehr.
«Mir hat Imkerei noch nie so viel Spass gemacht wie heute, wo ich seit 10 Jahren keine Medikamente an meinen Völkern mehr anwenden muss.»
In Mitteleuropa folgt die Varroabehandlung seit Jahrzehnten demselben Ablauf: Ameisensäure im Sommer, Oxalsäure im Winter. Die Behandlung senkt den Befall, aber laut Büchler hat sie zwei Nebenwirkungen. Die hochkonzentrierten Säuren beeinträchtigen die Entwicklung und das Mikrobiom des Bienenvolkes. Und sie halten Völker mit schwacher Abwehr am Leben, die ihre anfällige Genetik dann über ihre Drohnen weitergeben.
«Jeder Jungimker lernt heute, Ameisensäure und Oxalsäure anzuwenden. Aber zu wenige lernen, dass man mit einfachen biologischen und biotechnischen Massnahmen ohne Gifte arbeiten kann.»
In der Natur legen Völker durch das Schwärmen im Sommer eine Brutpause ein. In dieser Zeit kann sich die Varroamilbe nicht vermehren. Wer diese Brutpause gezielt nachbildet, kann auf die meisten Behandlungen verzichten.
Wie wichtig die Anpassung an den Standort ist, zeigt eine europäische Studie aus den Jahren 2009 bis 2012. An 21 Prüfstationen in 11 Ländern wurden 621 Völker drei Jahre lang ohne jede Krankheitsbehandlung gehalten. Am Ende lebten von den heimischen Völkern 33 Prozent, von den Völkern fremder Herkunft nur 17 Prozent.
Ein Beispiel aus Finnland macht den Unterschied anschaulich. Griechische Bienen (Apis mellifera macedonica) bauten dort im Herbst starke Völker auf. Im nordischen Winter stellten sie das Brüten aber nicht ein. Sie verbrauchten im Schnitt 18 Kilogramm Futter, die heimischen Bienen 13 Kilogramm. Im Frühjahr waren sie ausgezehrt und brachten kaum Honig.
Weltweit werden heute 31 Unterarten der Honigbiene unterschieden. Viele davon, etwa die Dunkle Biene, sind durch Importe und unkontrollierte Kreuzung gefährdet.
Die Anpassungsfähigkeit der Honigbiene beruht auf ihrer Paarungsbiologie. Auf jede Königin kommen rund 20’000 Drohnen, gepaart wird sie aber nur mit 15 bis 25 davon. An den Drohnensammelplätzen, die 5 bis 7 Kilometer vom Stand entfernt liegen können, treffen 15’000 bis 30’000 Drohnen aufeinander.
Drohnen tragen nur einen einfachen Chromosomensatz der Mutter. Genetische Schwächen zeigen sich bei ihnen deshalb direkt. Von Varroa befallene Drohnen fliegen schlechter, verlieren die Orientierung oder haben deutlich weniger Spermien. Sie kommen kaum zur Paarung. So selektiert die Natur über die männliche Linie hart auf Vitalität. Wer jedes Volk routinemässig behandelt, schaltet diesen Filter aus.
Resistente Völker zeigen drei Verhaltensweisen, die sich gezielt fördern lassen:
Mit der Verbändeinitiative «Varroaresistenz 2033» wollen Imkerverbände erreichen, dass innerhalb von zehn Jahren flächendeckend ohne Medikamente geimkert werden kann. Büchler sieht dafür zwei Säulen:
Erst wenn viele Imkerinnen und Imker so arbeiten, setzen sich resistente Bienen in der Fläche durch.
Statt jedes Jahr mit Säure zu behandeln, empfiehlt Büchler eine geplante Brutunterbrechung im Sommer, Ende Juni oder im Juli. Sie ersetzt die Brutpause, die das Volk früher durch das Schwärmen hatte. Drei Verfahren haben sich bewährt:
Die Bienen, die nach der Brutpause heranwachsen, werden zu langlebigen Winterbienen. Im brutfreien Volk lässt sich der Befall im Juli genau messen, zum Beispiel mit einer ausgewaschenen Bienenprobe. Im Spätsommer und Herbst gilt die Schadschwelle von höchstens fünf Milben pro Tag auf der Bodeneinlage. Liegt der Befall darunter, ist eine Winterbehandlung laut Büchler nicht nötig.
Für Büchler fehlt es weder an Wissen noch an Methoden:
«Es ist keinesfalls eine Frage der biologischen Möglichkeiten oder des Wissens um geeignete Methoden, die liegen alle auf dem Tisch. Es ist eine Frage des Wollens, der Soziologie und der Psychologie.»
Wildlebende Honigbienenvölker durchlaufen diese natürliche Auslese bis heute: Sie schwärmen, legen dadurch eine Brutpause ein und werden nicht behandelt.
Den ganzen Vortrag mit Fragerunde können Sie sich auf unserem YouTube-Kanal ansehen.
Er ist Teil unserer monatlichen Konferenzreihe «Bienen ohne Grenzen». Alle bisherigen Aufzeichnungen finden Sie in unserer YouTube-Playlist.
Nächste Konferenz: Am 18. November spricht Günther W. Amann-Jennson über den Schlaf der Bienen. Jetzt kostenlos anmelden.