Honig gehört zu den ältesten Lebensmitteln der Menschheit. Lange bevor Zuckerrohr oder Zuckerrüben angebaut wurden, war Honig die wichtigste natürliche Süssungsquelle Europas.
Ein Bienenvolk sammelt Nektar und Honigtau aus seiner Umgebung, verarbeitet diese Stoffe mit körpereigenen Enzymen und lagert sie als Vorrat für den Winter ein. Das Ergebnis ist ein aussergewöhnlich komplexes Naturprodukt.
Der sogenannte Honigfächer zeigt eindrücklich, wie vielfältig die Zusammensetzung von Honig tatsächlich ist.

Honigfächer. Quelle: https://www.bienensissach.ch/wordpress/der-honigfaecher/
Neben Wasser und verschiedenen Zuckerarten enthält Honig unter anderem:
Je nach Herkunft können mehrere hundert verschiedene Inhaltsstoffe nachgewiesen werden.
Der Begriff «flüssiges Gold» ist deshalb nicht nur poetisch gemeint.
Die moderne Ernährungswissenschaft betrachtet Honig primär als Lebensmittel.
Gleichzeitig wird Honig seit Jahrtausenden auch als Heilmittel eingesetzt. Zahlreiche Kulturen nutzten Honig zur Wundbehandlung, bei Erkältungskrankheiten oder zur allgemeinen Stärkung.
Heute sind verschiedene gesundheitsfördernde Eigenschaften wissenschaftlich dokumentiert. Insbesondere die antibakterielle Wirkung bestimmter Honigsorten findet in der Medizin weiterhin Anwendung.
Dennoch sollte Honig nicht romantisiert werden.
Er besteht überwiegend aus Zucker und ist entsprechend energiereich. Wer Honig konsumiert, konsumiert auch Zucker.
Aus Sicht von FreeTheBees ist deshalb weder die Verteufelung noch die Verherrlichung von Honig sinnvoll. Wie bei vielen Lebensmitteln gilt: Qualität und Mass sind entscheidend.
Die meisten Menschen kennen heute ausschliesslich geschleuderten Honig.
Diese Form der Honiggewinnung ist vergleichsweise jung und wurde erst mit der modernen Imkerei möglich.
Über Jahrtausende wurde Honig dagegen gepresst oder ausgequetscht. Dabei gelangten nicht nur die Honigvorräte, sondern auch Bestandteile von:
in das Endprodukt.
Historischer Presshonig war deshalb oft deutlich komplexer zusammengesetzt als moderner Schleuderhonig.

Aus Sicht vieler Kenner besitzt Presshonig auch ein wesentlich intensiveres Aroma und einen reicheren Geschmack. Dies ist allerdings eine Frage persönlicher Vorlieben.
Jedes Honigglas erzählt die Geschichte einer Landschaft.
Die Zusammensetzung eines Honigs wird geprägt durch:
Honig ist damit gewissermassen ein biologischer Fingerabdruck seiner Herkunft.
Wer Honig analysiert, kann daraus Rückschlüsse auf die Umweltbedingungen eines Standorts ziehen.
Über Jahrtausende war Honig ein kostbares Gut.
Vor der Verbreitung von Rohrzucker und später Rübenzucker gehörte Honig zu den wertvollsten Lebensmitteln Europas. Er diente nicht nur als Süssungsmittel, sondern auch als Konservierungsmittel, Zahlungsmittel und Handelsgut.
Die Zeidlerei entstand aus dieser besonderen Bedeutung.
Zeidler bewirtschafteten natürliche oder künstlich geschaffene Baumhöhlen in Wäldern und ernteten Honig aus wildlebenden Bienenvölkern. In weiten Teilen Mitteleuropas entwickelte sich daraus ein eigenständiger Berufsstand mit besonderen Rechten und Privilegien.
Eine der bekanntesten Hochburgen der Zeidlerei lag rund um Nürnberg. Dort bildete Honig über Jahrhunderte die Grundlage für die Herstellung der berühmten Nürnberger Lebkuchen.
Honig prägte damit nicht nur die Ernährung, sondern auch Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft.
Ja, man soll!
FreeTheBees ruft weder zum Verzicht auf Honig noch zu einer veganen Lebensweise auf.
Wir essen selbst Honig, schätzen ihn als aussergewöhnliches Naturprodukt und anerkennen seine kulturhistorische, kulinarische und teilweise auch gesundheitliche Bedeutung.
Gleichzeitig betrachten wir Honig nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit der Art und Weise, wie er produziert wird. Ohne Honig hätten Imker aktuell keinen Anreiz, Bienen zu halten. Das wäre gefährlich, weil damit ein wichtiger Bestandteil der Bestäubung gefährdet wäre und damit neben der Artenvielfalt insbesondere auch die menschliche Nahrungskette.
Die entscheidende Frage lautet für uns deshalb nicht:
«Darf man Honig essen?»
Sondern:
«Wie wurde dieser Honig produziert und welche Auswirkungen hat seine Produktion auf Bienen, Biodiversität und Umwelt?»
Zwischen einem naturnah arbeitenden Imker, einem Zeidler, einer kleinen Nebenerwerbsimkerei und einer stark produktionsorientierten Grossimkerei können erhebliche Unterschiede bestehen.
Deshalb unterstützen wir nicht den unkritischen Konsum, sondern den bewussten Konsum.
Wer Honig kauft, unterstützt immer auch ein Produktionssystem. Dieses sollte möglichst verantwortungsvoll, transparent und langfristig nachhaltig sein.
Für FreeTheBees steht heute weniger die Frage im Zentrum, ob Honig konsumiert werden soll.
Entscheidend ist vielmehr, unter welchen Bedingungen Honig produziert wird.
Die Honigbiene ist gleichzeitig Wildtier und Nutztier. Diese Doppelrolle erzeugt Zielkonflikte zwischen Honigproduktion, Tierwohl, Biodiversität und Naturschutz.
Deshalb interessiert uns nicht nur die Qualität des Honigs, sondern auch die Qualität der Produktionssysteme.
Die heutige Honigproduktion ist häufig stark auf maximale Erträge ausgerichtet.
Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach Produktionsformen, welche stärker auf die langfristige Gesundheit der Honigbienen und ihrer Lebensräume Rücksicht nehmen.
Aus diesem Gedanken heraus entstand das Projekt ApiVita.
Die Grundidee ist einfach:
Nicht jede Imkerei muss ausschliesslich Honig produzieren. Mischbetriebe können Honigerzeugung, Biodiversitätsförderung und naturnahe Bienenhaltung miteinander verbinden.
Vielleicht wird der Honig der Zukunft nicht allein nach Geschmack oder Herkunft bewertet, sondern auch danach, welchen Beitrag seine Produktion für Bienen, Biodiversität und Gesellschaft leistet.