Text und Fotos von Ante Hamersmit

Der Dezember läutet nicht nur das kalendarische Jahresende ein, sondern für mich bedeutet er auch, dass wir nun zu meinem letzten Beitrag des Imkerkalenders bei FreetTheBees gekommen sind.
Mein Ziel, meine Lektionen
Ich erinnere mich noch an das Erstgespräch, in dem ich mich voller Vorfreude auf diese Reise begeben habe, aber auch klar mein Ziel formuliert habe, diesen Kalender nicht als Lehrbuch, sondern als Tagebuch aufbauen zu wollen. Ein ehrlicher, manchmal ungeschönter Blick auf das, was es bedeutet, mit Bienen zu arbeiten, von ihnen zu lernen und dabei selbst zu wachsen. Er war das Protokoll meiner Erfolge, meiner Zweifel, meiner Experimente, meiner Fehler – und meiner stillen Momente des Staunens vor dem Flugloch.
Eure Reaktionen, nicht nur auf diesen Kalender, sondern auch auf meine Reise in den Sozialen Medien berühren mich. Zustimmung, Verwunderung, Kritik, Anerkennung – alles war und ist dabei. Und genau das ist wichtig. Denn Lernen geschieht nicht in der Komfortzone, in den Zeilen der Lehrbücher, sondern auch dazwischen. Dort, wo Lehre auf Natur und innere Haltung trifft.
Rückblickend bin ich stolz darauf, nicht die perfekte Welt gezeigt zu haben, sondern die authentische. Nicht den einen richtigen Weg eines Lagers gegangen zu sein, sondern sichtbar zu machen, wie komplex und vielschichtig der eigene Weg tatsächlich ist.
Ich habe gelernt, dass es zwischen Eingriff und Vertrauen keine einfachen Antworten gibt. Dass jedes Volk anders ist, jede Jahreszeit neue Fragen stellt, jeder Standort eigene Herausforderungen bereithält. Und dass Mut, die Schattenseiten nach außen zu kehren, mindestens so wichtig ist wie die Lichtblicke zu zeigen.

Status quo vs. sowohl-als-auch
Was mich in diesem Jahr besonders beschäftigt hat, ist die Erkenntnis, dass Imkerei kein Entweder-oder ist. Es geht nicht darum, perfekt naturnah oder perfekt ertragsorientiert zu sein. Es geht um das Sowohl-als-auch. Obwohl mein Usecase nie die Honigernte war – und vermutlich auch nicht sein wird – esse ich gerne und viel Honig und bin all denen Dankbar, die ihn effizient ernten.
Es muss aber noch einen anderen Weg geben, der mindestens genauso wichtig ist und den wir nicht vernachlässigen dürfen: Der experimentelle, auf das Wesen des Biens ausgerichtete. Das ist anspruchsvoll, nicht glamourös und tendenziell mit weniger Erfolg verbunden. Aber diejenigen, die ihn bereits erfolgreich gegangen sind, würden keinen anderen gehen.
Eines möchte ich uns mit auf den Weg geben: lasst uns nicht müde werden, den Status quo zu hinterfragen. Die Imkerei, wie wir sie heute praktizieren, ist noch jung – erschreckend jung im Vergleich zu den 100 Millionen Jahren, die Bienen bereits existieren. Viele der Praktiken, die wir als „normal» oder „richtig» betrachten, sind nicht in Stein gemeißelt. Sie sind entstanden aus biologischen Zusammenhängen, aber zum Teil auch aus wirtschaftlichen Zielen, Bequemlichkeit oder einfach, weil es schon immer so gemacht wurde.
Aber die Bienen zeigen uns jeden Tag: Es gibt andere Wege. Natürlichere Wege. Wege, die im Einklang mit der Evolution stehen, nicht gegen sie.
- Brauchen Bienen wirklich 20 Kilogramm Winterfutter, oder reicht deutlich weniger bei einer optimierten Beute?
- Müssen wir jedes Jahr die Königin kontrollieren, oder können wir dem Volk mehr Autonomie zugestehen?
- Ist maximale Honigernte wirklich das Ziel, oder gibt es erfüllendere Maßstäbe für erfolgreiche Imkerei?
Das sind keine rhetorischen Fragen. Das sind Einladungen zum Denken, zum Experimentieren, zum gemeinsamen Weiterlernen. Denn die Natur braucht keine Perfektion – sie braucht Bewusstsein.
FreeTheBees bleibt – in anderer Form
Ich verabschiede mich von diesem Kalender, aber nicht von der Idee, die dahintersteht. FreeTheBees – die Freiheit der Bienen, wesensgemäß zu leben – wird mich weiterhin begleiten. Nur in anderer Form.
Ich werde meine Arbeit verstärkt darauf ausrichten, Menschen zu inspirieren, die wie ich auf der Suche sind. Menschen, die spüren, dass es mehr gibt als Effizienz und Ertrag. Menschen, die bereit sind, von den Bienen zu lernen – nicht nur über Honig, sondern über Gemeinschaft, über Resilienz, über das, was wirklich zählt.
Meine Reise führt mich weg von der Imkerei als Hauptfokus, hin zu einem breiteren Verständnis von Natur, Bewusstsein und sinnvollem Tun. Die Bienen werden dabei immer ein zentraler Teil sein – als Lehrer, als Inspiration, als Erinnerung daran, dass die natürlichsten Systeme die besten sind.
Ein Jahr in Bildern und Momenten
Wenn ich auf 2025 zurückblicke, sehe ich:
1 . Die Korbflechtkurse, bei denen Menschen aus der der DACH Region zusammenkamen, um mit ihren Händen etwas zu schaffen, das bleibt. Der Geruch von Roggenstroh, das Stechen des Pfriemens, die Gespräche, die tiefer gingen als die Technik.

2. Die Fernsehauftritte beim SWR, die mir gezeigt haben, wie viele Menschen da draußen nach einer anderen Art der Bienenhaltung suchen. Die Nachrichten danach, die persönlichen Geschichten, die Verbindungen, die entstanden sind.

3. Die Arbeit mit meinen Völkern mit all ihren Höhen und Tiefen.

4. Die Freude über das Warré-Volk, das trotz einer konventionellen Magazinbeute naturnah gedeihen durfte und sich die meiste Honigmenge für den Winter eingetragen hat.

5. Die Sorge um mein Volk im Weißenseifener Hängekorb, bei dem ich nicht weiß, ob ich es im Frühjahr wiedersehe.

6. Die Entscheidung meine Klotzbeuten dieses Jahr nicht zu besiedeln, weil ich meine selbst geflochtenen Bienenkörbe mehr gefühlt habe.

7. Der radikale Schritt, meinen gut bezahlten Manager-Job nach 18 Jahren an den Nagel zu hängen. Nicht, um nur noch Imker zu sein, sondern um ein Herzensbusiness aufzubauen, das mit meinen Werten im Einklang steht.

Und zwischen all dem: Tausende stille Momente vor dem Flugloch. Das Summen an warmen Oktobertagen. Der Duft von frischem Wachs in der dunklen Jahreszeit. Die Erkenntnis, dass die wichtigsten Lektionen oft die sind, die sich nicht in Worte fassen lassen.

Danke
Danke, dass ihr im Rahmen dieses Kalenders meine Reise begleitet habt. Danke für eure Kommentare, eure Fragen, eure konstruktive Kritik. Danke, dass ihr Teil dieser Gemeinschaft seid – einer Gemeinschaft, die nicht befehlend ist, sondern voneinander lernend. Nicht perfekt, sondern bewusst.
Ich lade euch ein, mir weiterhin zu folgen – hier bei FreeTheBees, auf den Sozialen Medien wie Instagram und YouTube und wo auch immer sich unsere Wege kreuzen. Dort werde ich weiterhin teilen, was mich bewegt, was ich lerne, wohin der Weg führt. Nicht mehr im starren Rhythmus eines Monatskalenders, sondern fließend, authentisch, im Einklang mit dem, was gerade entsteht.
Ich wünsche euch eine besinnliche Winterzeit, gesunde Völker und den Mut, euren eigenen Weg zu gehen.
Von Herzen, Ante

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Frühere Beiträge des Imkerkalenders 2025 mit Ante Hamersmit:
- Imkerkalender 2025 – Dezember: Winterruhe vorbereiten – mit weniger mehr erreichen
- Imkerkalender 2025 – November: Urlaub – Zeit für Gedanken
- Imkerkalender 2025 – Oktober: Urlaub – Zeit für Gedanken
- Imkerkalender 2025 – September: Übergangszeit – Zeit zum Testen
- Imkerkalender 2025 – August: Zwischen lehm und kaputten Plänen
- Imkerkalender 2025 – Juli: Von nichts kommt manchmal doch was
- Imkerkalender 2025 – Juni: Es will nicht schwärmen
- Imkerkalender 2025 – Mai: Frühlingserwachen im Bienenstock: Pollen, Brut und erste Herausforderungen
- Imkerkalender 2025 – April: Erste Inspektion der Bienen
- Imkerkalender 2025 – März: Zu viele Bienen? Zu viel Honig?
- Imkekalender 2025 – Februar: Winterpläne
- Imkerkalender 2025 – Januar: Das Ende und der Anfang
Frühere Beiträge des Imkerkalenders 2024 mit André Wermelinger:
- Januar – Februar: Retrospektive und Planung der neuen Bienensaison
- März: Vorbereitung der neuen Bienensaison und Sicherstellen der Futterversorgung
- April: Start in die Bienensaison
- Mai: Wonnemonat für Bienen und Imker!
- Juni: Trachtlücke und Verschnaufpause
- Juli: Keine Bienenbehandlung ohne vorherige Befallsmessung
- August: Wie beeinflussen Standort und Bedingungen die Gesundheit der Bienenvölker im Hochsommer?
- Imkerkalender September: Herbstgedanken und Jahresrückblick eines naturnahen Imke



